Finanzprodukte

24. Februar 2012

Faire Finanzprodukte, gibt es so etwas? Bei Geldanlagen stellen sich prinzipielle Fragen:

  • Ist es fair, dass eine Minderheit der Weltbevölkerung über sehr viel mehr Kapital verfügt als sie zum Leben benötigen und dieses Geld anderen mit Zinsen leihen kann? Die so genannten ‚Märkte‚, und das sind eben diese 2% der Menschheit, bestimmen inzwischen weltweit die Politik von Staaten, aber auch von börsennotierten Unternehmen. Werden Löhne gedrückt, Menschen entlassen oder Sozialstandards abgebaut, so wird derart unsoziales Verhalten sofort von den Märkten belohnt, indem Aktienkurse steigen, oder sich die Nachfrage für Staatsanleihen erhöht und somit die Zinsbelastung der Staaten sinkt. Was wir in diesen Zeiten des unkontrollierten Turbokapitalismus erleben, ist, wie die  Märkte (2% der Menscheit), immer mehr die Macht über Unternehmensentscheidungen und sogar über die Politik ganzer Staaten übernehmen. Der unkontrollierte Finanzmarkt stellt eine Gefahr für die Demokratie dar.
  • Ist es fair, das in erster Linie diejenigen Staaten und die Unternehmen ausreichend Kapital erhalten, die soziale Standards zurückfahren oder gar nicht erst einführen, die ohne Rücksicht auf Mensch und Natur das reine Gewinnstreben bzw. die Erhöhung des Bruttosozialproduktes an die erste Stelle stellen?
  • Ist es fair, das jeder kleine Rentner, jeder Arbeitnehmer und jeder Selbständige seine Einnahmen versteuern muss, während die Gewinne aus Kapitalvermögen nur zu einem wesentlich geringerem Prozentsatz zu versteuern sind? Geld arbeitet nicht! Es muss immer Menschen geben, die für ihre geleistete Arbeit weniger Geld erhalten, als den Gegenwert der erbrachten Leistungen. Nur so ist es möglich Gewinne aus dem geliehenen Kapital zu erwirtschaften, das letztendlich den Anlegern (2% der Menschheit) zu Gute kommt und das völlig ohne geleistete Arbeit.

Was soll ich aber tun, wenn ich mehr Geld zur Verfügung habe, als ich für meinen Lebensunterhalt benötige und dieses nicht in sinnlose Konsumgüter investieren möchte, sondern mir eine kleine Sicherheit für schlechtere Zeiten schaffen möchte?

Geldanlagen: Aktien, Fonds, Staatsanleihen, Versicherungen…  die Möglichkeiten für Menschen, die mehr Geld haben, als sie zum Leben benötigen dieses gewinnbringend zu investieren sind vielfältig.

Mitlerweile gibt es einige faire Finanzprodukte am Markt, die Wert auf  Nachhaltigkeit und Sozialstandards legen. Diese Fonds investieren in Bioprodukte und/oder in Fairtrade Produkte, in alternative Energien oder Projekte in der 3.Welt. Der Begriff ‚Green Money‚ gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Aber auch konventionelle Banken schneiden ihre Finanzprodukte immer öfter auf Kunden zu, die nach moralisch vertretbaren und nachhaltigen Formen des Zinsgewinns suchen: zum Beispiel Fonds aus Aktien von Unternehmen, die umweltfreundlich produzieren, oder Wertpapiere von Firmen, die Entwicklungsprojekte betreiben. Einige dieser Banken haben jedoch neben diesen Alibi-Produkten nach wie vor üble Papiere im Angebot die z.B. auf  Spekulationsgeschäften  mit Rohstoffen basieren, die für die Produktion von Lebensmitteln benötigt werden. Mit diesen Banken sollte man keine Geschäfte machen, auch wenn hier faire Finanzprodukte mit angeboten werden.

Siehe auch den Beitrag ‚Nahrungsmittel Spekulationen das schmutzige Geschäft mit dem Hunger auf der Seiteunfair

Vertrauenswürdiger erscheinen in diesem Zusammenhang mit fairen, nachhaltigen und ökologischen Finanzprodukten alternative Banken, die sich auf diese Geldanlagen spezialisiert haben. Zu nennen sind hier u.a. die Umweltbank, die Ethikbank, die GLS-Bank, die Triodos Bank. Das Bündnis ATTAC ruft auf seiner Seite unter dem Motto: ‚Krötenwanderung jetzt‘ zum Bankenwechsel auf. Das Privatkundengeschäft wird für die Banken immer wichtiger und hier können wir sie empflindlich treffen, wenn viele Menschen jetzt zu alternativ Banken wechseln. (siehe auch den Artikel über sozialökologische Banken und green money sowie Umfairteilen )

 

Eine interessante Alternative der Geldanlage ist das so genannte Regiogeld.

“Was ist Regiogeld?

Regiogeld ergänzt den Euro um ein regionales Zahlungsmittel – meist in Form von Gutscheinen – und dient dem Gemeinwohl.

  • Es bindet die Kaufkraft an die Regionen, fördert die regionalen Unternehmen und stimuliert regionale Wirtschaftskreisläufe.
  • Es erweitert die unternehmerischen Handlungsmöglichkeiten um einen regionalen Markt und ist als Werkzeug zur Regionalentwicklung einsetzbar.
  • Es hilft, regionale Produkte abzusetzen, neue Umsätze zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu schaffen.
  • Regionales Wirtschaften verkürzt die Transportwege und schont die Umwelt.‘ *1

Alle Regios funktionieren ein bisschen anders, weshalb eine allgemeingültige Beschreibung schwierg ist. Im Folgenden eine Kurzbeschreibung von vier sehr unterschiedlichen Initiativen, die die Vielfalt von Regios deutlich machen:

  • Der Chiemgauer: Ein eurogedeckter Regio, der seit 2003 existiert.
  • Die Havelblüte: Ein leistungsgedeckter Regio, der im Juni 2006 gestartet ist
  • Der Urstromtaler: Ein leistungsgedeckter Regio, der seit Oktober 2004 existiert und Euro-Eintausch ermöglicht.
  • Der Sterntaler: Ein eurogedeckter Regio, der seit April 2004 existiert und einen leistungsgedeckten Tauschring einbindet.

Die Werte- und Qualitätsstandards,‘ 

Quelle: Regiogeld e.V.

 

  • 1 Kommentar

Eine Reaktion zu “Finanzprodukte”

  1. MoIamam 13. Dezember 2012 um 11:18 Uhr

    Wir sind 99% (Occupy-Bewegung). 2% der Weltbevölkerung wären 140 Millionen (Turbokapitalisten). 1% der Wb als Auftraggeber (Märkte) zu definieren reicht.
    Komplementär-Währungen wie Regiogeld sind interessant sollte man im Auge behalten.
    Noch wichtiger wäre eine monetäre Modernisierung in Puncto Geldwert und Wertschöpfung. Siehe dazu die Stichworte: Vollgeld und Monetative.
    http://www.monetative.de/
    http://vollgeld.ch/2012/02/24/neuerscheinung-die-vollgeld-reform/

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